Zur Rolle der Massenmedien

Die Rolle der Massenmedien
@Gerd Altmann/Pixabay

Die Dominanz der Massenmedien in der modernen Gesellschaft erforder eine kritische Betrachtung dieser machtvollen Institutionen. Ihre Informationen helfen, uns in der modernen Gesellschaft zu positionieren und ein kritisches „Gewissen“ zu entwickeln. Was aber, wenn die Botschaften zu einer gefährlichen gesellschaftlichen Manipulation tendieren?

Medien werden allgemein als eine „vierte“ Macht in der Demokratie verstanden, welche die anderen drei Mächte kontrollieren und kritisch hinterfragen sollten. Damit können Medien einerseits als ein Instrument zur Vermittlung zwischen den drei „Mächten“ und dem Volk, sowie aber auch als eine kritische Instanz, welche die Arbeit der gesellschaftlichen Institutionen hinterfragt, verstanden werden. Diese wichtigen Funktionen scheinen aber immer stärker zu verschwinden und anderen Interessen Platz zu machen. Für den Philosophen Herbert Marcuses stellen die Massenmedien hauptsächlich ein Instrument der Kontrolle und Manipulation dar.[1] Anstatt scharfe Kritik zu formulieren, tendieren Massenmedien immer mehr zu Instrumenten der Kontrolle und Manipulation der Gesellschaft, sie […] verkaufen partikulare Interessen als die Interessen der Allgemeinheit[2], wie Marcuse es beschreibt.

Einheitsdenken und standardisierte Bedürfnisse

Durch die konzentrierte Verbreitung partikuläre Interessen als allgemeinen Willen kommt es nicht nur zur Standardisierung von Bedürfnissen, sondern es vor allem werden partikuläre Interessen verallgemeinert. Zu diesem Thema schreibt Marcuse passend:

Die politischen Bedürfnisse der Gesellschaft werden zu industriellen Bedürfnisse und Wünsche, ihre Befriedigung fördert das Geschäft und das Gemeinwohl, und das Ganze erscheint als die reine Verkörperung der Vernunft[3].

Damit gibt er uns den kritischen Hinweis, dass die vebreiteten Informationen bestimmten Interessen unterworfen sind. Ignacio Ramonet spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Einheitsdenken und definiert dieses als eine Übersetzung der ökonomischen Kräfte in allgemeingültige, ideologische Begriffe.[4] Dadurch kann die Behauptung Marcuses, dass die Medien die Rolle eines Vermittlers zwischen „Herren“ und „Diener“ übernehmen,[5] bestätigt werden. Massenmedien sind in diese Betrachtungsweise lediglich ein Sprachrohr politischer und ökonomischer Interessensvertretern, welche ihre Botschaften als unabhängige Berichterstattung verbreiten. So gelingt es, nicht nur die öffentliche Meinung zu kontrollieren, sondern auch bestimmte Interessen subtil durchzusetzen.

Die dabei angewendete Ausdrucksweise, die Sprache, die verwendeten Bilder und veröffentlichte Einzelmeinungen sind eindimensional, Kritik wird vernachlässigt und es kommt zu gezielten Angriffen auf das transzendente Denken der Menschen. Damit machen sich die Massenmedien schuldig, zu einem Verlust der Mehr-Dimensionalen-Ebene der Gesellschaft beizutragen. Kritische Stimmen, skeptische Meinungen sowie unbequeme Fragen werden als ein Randphänomen abgetan und aus dem Fokus der Massenmedien geschoben. Somit gelingt es den Medien wahrheitsnahe Berichte zu erzeugen, ohne bestimmte Interessensziele zu verlieren und manipulierende Botschaften als freie journalistische Pressearbeit zu vermitteln.

Keine Kontrolle möglich?

Marcuses Kritik an den Massenmedien bezieht sich auch darauf, dass es schwierig ist, sie zu kontrollieren. Letztendlich mündet eine solche Debatte in die unweigerliche Frage, was die Wahrheit in den Botschaften sein könnte. Die vermittelten Informationen sind zwar an der Wahrheit orientiert, dennoch aber dem Ziel der Gesamtheit des Systems unterstellt. Dieses Gesamtziel der Gesellschaft lässt sich subsummieren unter dem Begriff der „Stabilität der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Wobei das ein sehr weit gefasste und diffuser Begriff ist, der ebenfalls kritisch beleuchtet werden muss. Insbesondere weil hier partikulare Interessen eine gewichtige Rolle spielen. Die meisten Medien agieren daher nicht im Namen der freien und wahrheitsgemäßen Berichterstattung, sondern arbeiten vielmehr als Instrumente der gesellschaftlichen Manipulation. Es ist dies als eine „Unterwerfung der freien Presse unter ein höheres politisches und ökonomisches Ziel“ zu verstehen, wobei die Wahrheit als Grundprinzip dienlich sein darf.

Durch eine solche gezielte Manipulation und Steuerung der Gesellschaft sind die Massenmedien ein wirksames Instrument, zur Verbreitung und Festigung falscher Bedürfnisse geworden.[6] Somit tragen die Massenmedien einen Großteil zur Reproduktion der falschen Ideale bei und fördern ein falsches Bewusstsein.[7] Die mannigfaltigen Medien verändern unsere Sichtweise auf die Welt und ihre komplexen Prozesse. Das liegt daran, dass Medien immer nur einen kleinen Ausschnitt aus den Zusammenhängen darstellen können. Dabei muss es notwendigerweise auch aufgrund der technischen Begrenzung zu einer Reduktion der Berichterstattung kommen. Die gezeigten Bilder stellen nicht nur eine begrenzte Sichtweise dar, sondern sind bereits durch die Wahl des Ausschnittes der Wirklichkeit eine interpretierte Überlieferung von bestimmten Situationen. So beginnt eine erste Selektion der Informationen bereits bei den Journalisten welche über eine Situation berichten. Weitere „Realitäten“ und „Wahrheiten“ kommen später durch den Schnitt, durch Untermalung mittels Musik, Hintergrundberichte und Expertenmeinungen zustande. Somit wird aus der Realität eine mannigfaltige Realität. Die Frage nach der Wahrheit solcher Berichte wird in der modernen Gesellschaft ein immer wichtiger Schritt zur kritischen Überprüfung der Botschaften. Aber wer kann angesichts der unübersichtlichen Massenmedien und Quellen hier noch den Überblick behalten geschweige denn die Botschaften analysieren?

Die Konsumenten der Medien bekommen einen Aspekt der Realität zu sehen, welcher durch die Medien „ausgewählt“ wurde. Es ist daher wichtig, wachsam zu bleiben und sich immer die Frage zu stellen: Was ist die Motivation dahinter? Die hier aufgeworfenen Gedanken unterstreichen, die von Marcuse aufgestellte These, dass die Massenmedien die öffentliche Meinung formen[8] und das meist nicht im Interesse einer möglichst objektiven Berichterstattung. Bleiben wir wachsam und kritisch.

[1] Vgl. Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, Seite 11, 28 und 39
[2] Vgl. Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, Seite 11
[3] Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, Seite 11
[4] Vgl. Ignacio Ramonet, „Die neuen Herren der Welt“, Seite 87
[5] Vgl. Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, Seite 104
[6] Vgl. Herbert Marcuse, „Der eindimensionale Mensch“, im Kapitel „Die neuen Formen der Kontrolle“ entwickelt Marcuse diese These.
[7] Die Bedürfnisse werden in einem anderen Artikel genauer untersucht, hier soll der Frage weiter nachgegangen werden, welchen Methoden sich die Massenmedien bedienen.
[8] Vgl. Herbert Marcuse, „Aggressivität in der gegenwärtigen Industriegesellschaft“, in: „Aggression und Anpassung in der Industriegesellschaft“,, Seite 19

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