Maulana Abul a’la Maududi – Der strenge Islamist?

Der indische Gelehrte Maulana Abul a’la Maududi (1903 – 1979) gilt als ein strenger Islamist, der den Islam als ein revolutionäres Programm propagierte. Von ihm stammt vermutlich auch die ausformulierte Vorstellung, dass der Islam ein allumfassendes System sei, dass alle diesseitigen Lebensverhältnisse regelt. Sayid Qutb, der bedeutende Ideologe der Muslimbruderschaft, hat sich wahrscheinlich vieler seiner radikalen Ideen bedient.

Widerstand und Revolution

In Anbetracht des massiven britischen Einflusses in der arabischen Welt während der Kolonialzeit schloss sich Maududi einer antibritischen Gruppe an, die sich für die Hidschra nach Afghanistan stark machte. Der dortige Konflikt sollte zum Wendpunkt des „Jihad-Tourismus“ werden und fand mit dem „IS“ seinen bisherigen traurigen Höhepunkt. Jihad-Begeisterte aus der ganzen Welt zogen in den „religiösen Krieg“ und kämpfen auf dem Weg Allahs für ein Gottesreich.

Maududi war ein wichtiger Ideologe der „Erweckungsbewegung“ und gilt noch heute als eine wichtige Figur im islamistischen Denken. Nach seiner Lehre ist der Koran eine revolutionäre Ideologie dessen Programm die Ordnung der ganzen Welt verändern wird. Viele seiner Werke dienen heute als Grundlage für jihadistische Strömungen. Sie lassen sich im Internet in arabischer und englischer Sprache finden, aber auch zunehmend ins Deutsche übersetzte Varianten tauchen auf.

Der Jihad nach Maududi ist eine fanatische Kampfansage an alle Ungläubigen. Im Jihad haben die tapferen Männer die eigene Familie zu opfern und sich ganz dem Kampf für das kommende Kalifat zu engagieren. Alles andere wird zu einer Nebensache, solange der Sieg nicht erreicht und der Wille Allahs erfüllt wurde. Damit ist Gewalt bei ihm kein Mittel der Verteidigung, sondern ein Instrument des Angriffes und der Vernichtung. Diese Botschaft, die auch nach Europa getragen wird, stellt damit eine geistige Entwicklungslinie hin zu einem notwendigen Bürgerkrieg dar, aus dem die Muslime als Sieger hervorgehen werden.

Auswirkungen auf Europa

Die in seinem Buch „Als Muslim Leben“ vertretenen ideologischen Inhalte haben auf die europäische islamische Community starken Einfluss. Die zusammengefassten Predigten offenbaren ein gefährliches Bild einer ideologischen Kampfansage an die westliche Gesellschaft.

Er vertritt die Ansicht, dass die heutigen Muslime unter einer Fremdherrschaft leiden und sich von diesem System befreien müssen. Dazu müssen die Muslime nur dem Koran und der Sunna folgen. Die islamische Tradition wird zum Ankerpunkt der neuen islamischen Identität, während er den menschlichen Verstand geringer einschätzt. Lediglich Allah und sein Gesetz darf befolgt werden, rationale Überlegungen werden nur dann akzeptiert, wenn sie den Prinzipen der Tradition nicht widersprechen.

Seine Predigten zielen direkt darauf ab, Demokratie oder Gleichheit in Europa schrittweise auszuhebeln und sind auch ein scharfer Angriff auf alle liberale Muslime. Jene Gläubige, welche liberal und offen sind und sich dem säkularen Staat anpassen, erklärt er für ungläubig. Nach seiner fanatischen Interpretation bedeutet „Kuffar“ „die Weigerung der Menschen Gott zu gehorchen“.[1] Diese Ablehnung drückt sich auch durch eine Akzeptanz der demokratischen Werte aus.

Nur in einem theokratischen Gottesstaat können sich die positiven Kräfte entfalten. Aber das Leben in den modernen Gesellschaften führe nicht nur zum Abfall vom Glauben, sondern münde in den Untergang. Ein wahrer Staat vertritt die göttlichen Werte und bekämpft falsche Dämonen, wie Alkohol, Gleichberechtigung und liberale Werte. Die demokratischen Staaten müssen zerstört und durch ein religiöses Kalifat ersetzt werden.

Nur der Islam kann die Lösung sein

Maududi vertritt eine archaische und kompromisslose Auslegung der islamischen Tradition. Den rechtlichen Korpus des kommenden Kalifats wird von der Scharia festgelegt. Nur in diesem wahren Glauben sieht er die Heilung der Menschen, die immer stärker von diesem wahren innigen Glauben abfallen.

Die drei wichtigen Gründe, warum Menschen vom Glauben abfallen und nicht mehr Gott und deren Geboten folgen, macht er in dem Ausleben bzw. Nachgeben der eigenen Triebe, die Anpassung an die nicht islamische Gesellschaft und den blinde Gehorsam gegenüber weltlichen bzw. religiösen fehlgeleiteten Führern aus.[2] Und eben diese drei „Götzen“ müssen von jedem Muslim zerstört werden. Er führt die missliche Lage der Muslime auf der Welt auf eine dieser Entwicklungen zurück.[3]

Er propagiert, dass eine frühzeitliche Islamvorstellung wieder zur herrschenden Ideologie werden muss. Wobei seine religiöse Vorstellung geht auf die wahhabitische Islamauslegung zurück geht. Viele dieser Punkte fanden Eingang in die Ideologie des IS und sind heute mehr denn je aktuelle kulturelle islamische Herausforderungen. Denn die geistige Lehre Maududi lebt nicht nur in extremistisch-jihadistischen Gruppen weiter, sondern manifestiert sich zu einer politisch-religiösen Lehre in Europa.

Wie man diese sozial gefährlichen Lehren entschärfen kann und welche gesellschaftlichen Instrumente denkbar sind, skizziere ich in meinem aktuellen Buch.


[1] Vgl. Sayyid Abul A’la Maududi, Als Muslim leben, Seite 51

[2] Vgl. Sayyid Abul A’la Maududi, Als Muslim leben, Seite 57

[3] Vgl. Sayyid Abul A’la Maududi, Als Muslim leben, Seite 57

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