Kommentar zu: „Diskussion über Abdullah-Zentrum: Lachnummer Österreich“

6. November 2019 0 Von Markus Hahn

Gudrun Harrer bescheinigt in Ihrem Kommentar, dass die Debatte um die Schließung des Abdullah-Zentrums zu einer Lachnummer Österreichs werden kann. Schlimmer noch, kann die Diskussion sogar unserem internationalen Ansehen, das scheinbar in ihren Augen ohnehin schon angekratzt ist, weiter schaden. Dabei wird vor allem die Meinungsänderung der Politik kritisiert, die sich erst mehrheitlich dafür entscheiden hat und nun scheinbar ablehnend dem Zentrum für interreligiösen Dialog gegenübersteht.

Dabei sind gerade Veränderungen der Meinung und Korrekturen von politischen Entscheidungen auch ein Zeichen für eine funktionierende Demokratie. Keine Frage, in Saudi-Arabien finden gerade Umbrüche statt, es bleibt abzuwarten ob diese zu einer Verbesserung führen. Fakt ist aber, dass das Wiener Zentrum sich in der geistigen Lehre des Wahhabismus befindet. Saudi-Arabien ist der größte Importeuer eines Islamverständnis, das zu einem sozialen Brandsatz in westlichen Gesellschaften werden kann. Diese fundamentalistische Interpretation des tradierten Islams bildet vielerorts die Basis für radikale Tendenzen.

Die große Gefahr, die bereits vor der Eröffnung dieses Zentrums immer wieder thematisiert wurde, ist, dass ein solches Zentrum mit engen Verbindungen nach Saudi-Arabien und islamistischen Gruppen als ein „Einfallstor“ für fundamentalistische Lehren missbraucht werden kann. Die jahrelang unterschätzte Gefahr des fundamentalistischen Islams wird erst langsam erkannt. Und noch langsamer werden Gegenstrategien entwickelt und laut diskutiert. Eine solche Debatte ist in einer wehrhaften Demokratie ein zulässiges Vorgehen. Genauso wie ein Verbot von antidemokratischen und extremistischen Gruppen und Vereinen ein legitimes Instrument darstellt.

Solange Saudi-Arabien es Nicht-Muslimen untersagt, die heiligen Stätte in Medina und Mekka zu besuchen, Menschrechte mit Füßen getreten werden, Frauen unterdrückt werden, sind Zweifel an diesem Zentrum des Dialoges angebracht. Ein interreligiöser Dialog darf keine Einbahnstraße sein und bedarf einer starken Reflektion der eigenen Werte. Die unsichtbare innere Struktur des Zentrums und die Verkettung mit ausländischen Gruppen und Vereinen erfordern eine intensive Abwägung zwischen dem Interesse der Religionsfreiheiten und der gesellschaftlichen Sicherheit. Auch wenn sich die Faktenlage innerhalb des Zentrums nicht verändert haben mögen, so bestand die berechtigte Kritik bereits vor der Entscheidung dieses Zentrum in Wien zu beherbergen. Sie wurde nur nicht wahrgenommen und ignoriert. Eine wehrhafte Demokratie, wie es Österreich aufgrund des zunehmenden Extremismus jeglichen Colours sein sollte, hat das Recht sozial gefährdende Institutionen wieder zu schließen. Und gerade, weil sich die Faktenlage nach Meinung der Autorin nicht geändert hat, scheint die immer noch bestehende Kritik nichts an ihrer Gültigkeit verloren zu haben und muss endlich gehört werden.

Zur Lachnummer macht sich Österreich nicht, wenn es eine notwendige Debatte endlich offen führt, sondern mit Versuchen, diese Debatte ins Lächerliche zu ziehen oder zu diskreditieren. Das ist einer Demokratie nicht würdig. Österreich hat ein Recht darauf zu erfahren, welche Personen in diesem Zentrum welche Kompetenzen innehaben, welche Kontakte ins Ausland bestehen und welche Lehren verbreitet werden. Solange das Zentrum in Wien nur als Imagepolitur für Saudi-Arabien fungiert, entzieht es sich einem interreligiösen Dialog und verkommt zu einer Werbeagentur für den Wahhabismus.

Man kann stehen wie man will zu dem Zentrum in Wien, aber der Wahhabismus stellt eine direkte Bedrohung der westlichen Gesellschaft dar. Und Menschenrechte, die Gleichwertigkeit der Geschlechter, die individuelle Freiheit sind liberale Werte, die nicht infrage gestellt werden dürfen. Auch wenn für Außenstehende die vielen Umbrüche in Saudi-Arabien nicht nachvollziehbar sind, hat Österreich das Recht, ja sogar die Verpflichtung zum Wohle der Gemeinschaft, nachvollziehen zu können, was in diesem Zentrum geschieht und welcher Einfluss von ihm ausgeht.

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