Islamismus – eine Absage an die Demokratie

Der Islam ist nicht nur eine spirituelle Religion, sondern auch ein religiös politisch-gesellschaftliches Modell, das auf die Auslegung der heiligen Texte und der normativen Sunna basiert. Daher kann der Islam in einer fundamentalistischen Interpretation nicht nur als eine Privatangelegenheit verstanden werden, sondern muss als ein totalitäres Gesellschaftssystem, das alle Lebensbereiche umfasst, begriffen werden. In der Ideologie der Islamisten ist die gesamte Welt ein von Gott gegebenes Territorium, das von der „besten Gesellschaft“ beherrscht werden muss. Das wird bereits durch den Koran legitimiert: „Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand. Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht, und ihr glaubt an Allah. Und wenn die Leute der Schrift geglaubt hätten, wahrlich, es wäre gut für sie gewesen! Unter ihnen sind Gläubige, aber die Mehrzahl von ihnen sind Frevler“[i]. Islamistische Organisationen beziehen die Aussage der „besten Gemeinschaft“ lediglich auf scharia- und islamkonforme Gemeinschaften, alle anderen müssen bekämpft werden. Damit sind Eroberungen bzw. Islamisierungsprozesse gerechtfertigt und legitimiert.

Fundamentalistische Strömungen wie der Islamismus produzieren Gewalt, Hass und Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft. Die größte Gefahr für die offene liberale Gesellschaft Österreichs stellt unverändert die Bedrohung des islamistischen Extremismus dar.[ii] Die „bedingungslose Liebe“ und der „absolute Gehorsam“ der Islamisten zu Allah stellen das Kernelement des Extremismus dar. Daraus wird dann abgeleitet, dass jene, welche sich Allah nicht vollkommen unterwerfen abgelehnt oder bekämpft werden müssen. Das führt dann sogar soweit, dass auch enge Vertraute oder Familienmitglieder gehasst werden, wenn sie den „wahren Lehren“ der Islamisten nicht folgen. Eine solche ideologische Weltanschauung stellt die Basis für den Extremismus dar. Gewaltbejahende Vorstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen sind alltäglich anzutreffen. Von Ablehnung des Anderen, über Unterdrückung eigener Mitglieder bis hin zum gerechtfertigten Kampf für die wahren Ziele. 

Das soziale Umfeld formt dich

Das in diesem gewaltbereiten Milieu gelebte Ethos führt allgemein zu einer Herabsetzung der Hemmschwelle und zu einer Bereitschaft brutaler Taten. In Europa haben sich extremistisch-islamistische Strukturen und Organisationen gegründet, aus denen Islamisten neue Mitglieder rekrutieren. Die gezielte Provokation der Mehrheitsgesellschaft durch Gruppen, aber auch durch Einzelakteure mittels Normbruch und Gesetzesübertretungen stellt den „handlungsunfähigen“ Staat  bloß und zeigt ihm seine Handlungsgrenzen auf. Es ist das bewusste Hinwegsetzen über die herrschende Moral, wobei diese Angriffe in der eigenen Community als tugendhaft begriffen werden. Wer provoziert, wie auch immer, sucht den Konflikt und setzt statt auf Dialog auf „Gewalt“ in einem weiten Sinn. Er will reizen, die Gegenseite zum emotionalen „Gegenschlag“ herausfordern, um dann seine eigenen Taten rechtfertigen zu können. Das ist eine aggressive Strategie der islamistischen Provokation. Genauso wie Jihadisten durch Anschläge und offene Gewalt den Staat herausfordern, provozieren islamistische Gruppen durch meist noch legale oder zumindest rechtlich in einem Graubereich stattfindende Aktionen; wobei Gesetzesübertretungen als bewusstes Provozieren, wie beispielsweise das provokante Tragen von Burkas als Widerstand gegen die herrschende ungläubige Moral und Gesetze verstanden werden.

Da die herrschenden Gesetze von Ungläubigen entwickelt sind und nicht auf dem Gottessouverän basieren, können sie auch keine Gültigkeit für wahre gläubige Muslime haben. Nora Illi, die Frauenbeauftragte des Vereins „Islamischer Zentralrat Schweiz (IZRS)“ provoziert nicht nur mit dem öffentlichen Tragen der Vollverschleierung, sondern zeigt auch Verständnis das junge Mädchen sich radikalisieren und sich dem „IS“ anschließen: „“Je mehr Türen man uns Muslimen verschließt, desto mehr schürt man die Aggression. Da erscheint das Leben in einem islamischen Staat verführerisch. Das sieht man bei vielen jungen Leuten, auch bei Mädchen, die davon träumen, nach Syrien zu gehen“[iv]. Damit argumentiert sie mit Diskriminierungserfahrungen und der vermeintlichen Unterdrückung der Muslime in Europa. Generell verstehen sich die Muslime in der Diaspora- „umma“ im Westen als ethnische Mehrheit, die andere „Minderheiten“ werden in „ihrem Territorium“ höchstens noch geduldet.[v] Das führt soweit, dass in überwiegend von Muslimen bewohnte Stadtvierteln nicht nur eine islamische Kultur entsteht, sondern auch islamische Vorstellungen und Normen gelebt werden. Diese parallelen Strukturen werden immer mehr zu einem sicheren Rückzugsort der Muslime, in denen sich extremistische Strömungen, die sich diametral zum Westen verhalten, herausbilden können. Solche islamischen „Hochburgen“ entstehen überall in Europas Großstädten und ermöglichen extremistischen Vorstellungen sich auszubreiten.

Gottesstaat oder ein Staat für Bürger?

Der religiös motivierte Extremismus ist vor allem in der Dialektik des Bestrebens säkularisierte Staatsmodelle im arabischen Raum zu entwickeln und der islamischen Tradition als Identitätsstiftung in seiner ideologischen Konzeption und in der elementaren Ablehnung säkularisierter Prozesse gestärkt worden. Dabei ist nach der extremistischen Vorstellung die Volkssouveränität, die Mittelpunkt moderner Staaten ist, nicht vereinbar mit religiösen Vorstellungen. Sayyid Qubt (radikaler Denker der frühen Muslimbruderschaft) legte den Grundstein der modernen Ansicht, dass die Gottessouveränität (Haikyam) über der Volkssouveränität stehen muss. Der Westen hat das Volk als den Souverän in einem „aufklärerischen Kampf“ ermittelt, der Islamismus anerkennt einzig und allein Allah als den rechtmäßigen Souverän.[vii] Von Menschen gemachte und in einem Parlament beschlossene Gesetze werden vom Islamismus generell streng abgelehnt. Die Volkssouveränität stellt in der Meinung der Extremisten ein veränderbares, unsicherer und moralisch verwerfliches Konzept dar, das Gott bewusst ausklammert. Dem dynamischen, flexiblen und fehlbaren westlichen Konzept wird ein ewig-gültiges göttliches unfehlbares Modell entgegengesetzt. Während erstes Modell für alle Menschen Gültigkeit besitzt, kann das islamische Modell nur für Gläubige Gültigkeit entfalten, was wiederum dazu führt, dass Ungläubige missioniert werden müssen. Diesem innergesellschaftlichen Konflikt sehen sich heutige westliche Staaten immer mehr ausgesetzt. Unter dem Druck einer vermeintlichen Toleranz und fehlgeleiteten Religionsfreiheit, haben sich in den vergangen Jahren Strukturen und Lehren in Europa verbreitet, welche schnell zu einem sozialen Sprengsatz werden können. Gelingt es Europa nicht, diese gefährliche Tendenzen zu durchbrechen, ist mit einer Verschärfung der kulturellen Konflikte zu rechnen. In meinem akutuellen Buch warne ich vor einer gefährlichen Schwäche staatlicher Insitutionen und plädiere für einen sozial verträglichen Islam.

 

[i] Koran Sure 3, Vers 110.
[ii] Vgl. Sicherheitsbericht 2015, Seite 23.
[iii] Parlamentarische Anfrage XXIGP.-NR. 12591/J.
[iv] http://www.heute.at/oesterreich/wien/story/Nora-Illi-in-Wien–Das-ist-die-Burka-Provokateurin–52725564.
[v] Vgl. Bassam Tibi, Der Euro-Islam“, Seite 115.
[vi] Vgl. https://www.n-tv.de/politik/Molenbeek-hat-seinen-Ruf-zu-Recht-article17369321.html.
[vii] Vgl. Tilman Seidensticker, Islamismus, Seite 10.
[viii] Vgl. Ernst Topitsch, Heil in und jenseits der Zeit, in: Ideologie und Ideologiekritik, Seite 65.
[ix] Vgl. Valentin Zsifkovits, Ethik des Friedens, Seite 100-107.
[x] Vgl. Abdel Hamed-Samad, Der Islamische Faschismus, Seite 27/28.
[xi] Vgl. https://www.integrationsfonds.at/publikationen/forschungsberichte/forschungsbericht-rolle-der-moschee-im-integrationsprozess/.

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