Die vorislamische Kultur in Arabien

Wüstenbewohner - Nomaden
@Tania Dimas /Pixabay

Es fand bereits eine frühe Besiedelung statt auf der arabischen Halbinsel statt. Lange bevor Mohammed eine neue Religion gründete. Die ersten gefundene Reste der Siedlungen konnten auf das Jahr 10.000 v. Chr. datiert werden, also während der „späteren, kleinen Eiszeit“.  Auch hier lassen sich die typischen Entwicklungsstufen der Kultur nachzeichnen. Von Jägern, Sammlern und Fischern in frühester Urzeit, über die Hirten-Nonaden bis zu der endgültig sesshaften Kultur der Ackerbauern.

Die größte Gruppe stellten die Hirtenmonaden dar, sie machten rund 90% der damaligen Bewohner aus. Diese, in kleinen Gruppen und Sippen organisierten Gemeinschaften, konnten ihren Einfluss durch die Krieger schnell verbreiten. Eroberungen wurden damals beinahe ausschließlich von den Hirtenmonaden unternommen. Einzelne Sippen verbanden sich mit anderen zu einem Stamm. Besonders jene Sippe, welche kriegerisch und ökonomisch erfolgreich war, konnte die meisten Sippen um sich scharen. Allerdings waren die Bündnisse sehr brüchig und wurden oft nach Bedarf aufgelöst bzw. mit anderen Sippen neue Verbindungen eingegangen.

Der Islam hat sich aus der Hirtenkultur entwickelt

Die erste Kulturstufe kann in diesem Zusammenhang vernachlässigt werden, erst die Entwicklung zu Hirten, Viehzüchtern und Monaden, hat die Identität der späteren und heutigen Generation entscheidend geprägt. Auch sind Funde aus früheren Zeiten selten und aufgrund der politischen Situation sind Ausgrabungen kaum möglich. Die ersten sicheren Funde der zweiten Kulturstufe können auf die Jahre 10.000 – 11.000 Jahre v. Chr. datiert werden. Aus den Funden konnte abgelesen werden, dass diese Kulturstufe bereits Ziegen, Pferde Schafe, Hunde und Kamele besaßen und diese domestizieren konnten. Dieser Entwicklungsschritt gelang innerhalb von 5.000 – 6.000 Jahren.

Das Durchschnittshöchstalter betrug damals ca. 30 Jahren, Mädchen kamen bereits mit 12 Jahren in ein heiratsfähiges Alter, Jungs mit ca. 14 Jahren. Ein altes Relikt, dass nicht nur in den Islam Eingang fand, sondern bis heute immer noch stark nachwirkt. Der Übergang zu einer patriarchalen Form hängt eng mit der Zähmung von Wildtieren zusammen. Die Zucht der Tiere war eine reine Männeraufgabe, Frauen versorgten die Familie und kümmerten sich um die häuslichen Angelegenheiten, während die Männer die Wildtiere einfingen, zähmten und gegen Angriffe anderer Sippen verteidigten. Die Dominanz der Frauen konzentrierte sich daher vor allem innerhalb der Sippe, welche bis heute immer noch deutlich zu erkennen ist. Durch die Zähmung der Wildtiere waren die Tiere von ihrem Halter abhängig. Die Wanderschaft der Sippen kam allmählich zur Ruhe, zwar mussten in regelmäßigen Abständen die abgegrasten Weidenflächen gewechselt werden, aber die Abstände zwischen den Wanderungen wurden immer größer.

Die Kaste der Krieger wurde immer wichtiger

Durch die örtlich begrenzte Haltung von Tieren, wurde auch der Schutz der Herden gegen Angriffe und Überfälle anderer Sippen bedeutender. Aus der Hirtenkultur entwickelte sich ein weiterer Zweig, jener der Wächter, deren Aufgabe erstrangig darin lag, die Sippe und ihren Besitz zu schützen. Aus dieser Gruppe wurde im Laufe der Zeit der Stand der Krieger. Auch die Sippen wurden immer größer. Zählte man in früheren Generationen etwa 50 Personen, konnte nachgewiesen werden, dass die Anzahl der Mitglieder auf 200 Menschen gestiegen ist. Bis heute noch gibt es in einigen Gebieten wie der Mongolei die Hirtenkultur.

Die Sippen grenzten sich gegenüber anderen Gruppen ab und stärkten einerseits den Zusammenhalt und andererseits kam es auch zu einem gegenseitigen Schutz der Mitglieder. Es verdeutlicht hier wieder das Schema des „Wir“ und die „Anderen“, welches sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. In dieser patriarchalen Zeit entstanden auch erste Heiratsregeln und Unterschiede im Besitztum. Vermögendere Männer konnten sich durchaus leisten mehrere Ehefrauen zu haben und zu versorgen.

Der Glaube dieser Menschen bestand vor allen in der Annahme von Schutzgöttern, Dämonen und einer Ahnenverehrung. Die Schutzgötter hatten anthropomorphe Gestalten. Der Glaube, dass die Ahnen nach dem irdischen Tod an einem anderen Ort weiterlebten, führte dazu, dass Möglichkeiten der Kommunikation gesucht wurden. Die Verwandtschaft wurde damals noch nicht über eine Blutsverwandtschaft definiert, sondern bestand in einem Zusammenhalt durch Riten und Mythen.

Die Kultur der Nomaden wirkt heute noch

Die Hirtenmonaden prägten die Gesetze und den späteren Koran. Sie besaßen die meisten Lebensmittel, einerseits durch die Viehzucht, andererseits durch Handel mit den Ackerbauern bzw. anderen Sippen und durch Raub von Besitztümern. Durch die kriegerischen Beutezüge gewannen Waffen immer mehr an Bedeutung. Das Phänomen der Hirtenmonaden ähnelt sich weltweit. Sie sind die kriegerische Gruppe ihrer Zeit und konnten sich aufgrund der flexiblen Beweglichkeit ihrer Sippe, sehr schnell ausbreiten.

Riten, als genormte Handlungen, verstärkten den internen Zusammenhalt einer Sippe. Durch Riten konnten einerseits Schutzgötter angerufen, Dämonen verjagt oder der Kontakt mit den Ahnen hergestellt werden. Es gab einige Steinheiligtümer, der wohl bekannteste ist der „Kaaba“, um den Mohammed auch später nach der Offenbarung gegangen ist. Kontakt zu den Ahnen konnten der Schamane und Mantiker durch Ausführung bestimmter Riten und in Ekstase herstellen. Schamanen kamen dabei in erster Linie die Aufgabe zu, Kontakte zur anderen Dimension herzustellen, während Mantiker insbesondere Aussagen über die Zukunft machten. Der Islam hat sich aus dieser Kultur der Hirtenmonaden, organisiert in Kleingruppen und Sippen, matrifokal orientiert (Fokus und Mitte einer Familie beruhte demnach auf der Mutter), entwickelt. Durch eine starke theologische Orthodoxie ist es dem Islam bisher kaum gelungen, diese alten Strukturen der früheren Nomadenkultur zu überwinden und sich der Moderne zu öffnen. Die Überwindung vieler archaischer Elemente stellt aber die Grundbedingung für die Reform der islamischen Kultur dar.

Please follow and like us:

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.