Die Geschichte hat sich wiederholt– Mohammed und der moderne Terrorismus

Soldaten
Quelle: pixabay.com

Als der „IS“ 2014 sein Terrorkalifat ausgerufen hatte, griff er auf eine im Islam und seit Mohammed verbreitete Strategie der „erzwungenen Partnerschaft“ lokaler Stämme und Clans zurück. Verschiedene kleinere und größere Gemeinschaften, ehemalige Soldaten und militärische Spezialeinheiten, die unter dem Regime Saddams Hussains dienten bildeten eine effektive Allianz und begründeten den schnellen Aufstieg des „IS“.

Bei der Ausbreitung des Islams gründete Mohammed mit regionalen Stammesfürsten und Banden eine schlagfertige Allianz und konnte so immer mehr Macht und Einfluss gewinnen. Die Idee dieser strategischen Allianzen zur Ausbreitung der Macht nutze auch Osama Bin Laden effektiv. Es gelang ihm vor allem lokale Warlords, Drogenhändler, Kriminelle und radikale Extremisten in seiner Organisation zu vereinigen. Das fatale Ergebnis seiner Bemühungen war die berüchtigte Terrororganisation Al-Qaida, die für weltweiten Terrorismus sorgte.

Ein bis heute existierender Staat, der aus einem Bündnis radikaler Extremisten, Theologen, Ausgegrenzten und Fundamentalisten bestand, ist Saudi-Arabien. Im 18. Jahrhundert gründete Mohamed Ibn Abd al-Wahab mit Mohamed Bin Saud eine religiös-politische Allianz, die zu einem starken Magnet wurde. Entstanden ist der Wahhabismus, der weltweit seine radikale Lehre verbreitet. Vorlagen dieser Verbindungen waren Mohammeds Strategie, seine Macht durch Bündnisse mit Stämmen und Clans zu festigen.

Die Gewalt des Terrorismus

Die moderne Gewalt der Terroristen ist ebenfalls bereits durch das kriegerische Vorgehen des Propheten als kollektives Denkmuster in den Islam gebracht wurden. Dabei dienen historische Schlachten und Bündnisse als Vorlage der Vernichtung Ungläubige durch die Jihadisten. In der Stadt Yatrhib (Später Medina) lebten zu Mohammeds Zeiten neben drei jüdischen Stämmen auch zwei Stämme aus dem heutigen Jemen. Während die Juden vor allem als Handwerker und Händler aktiv waren und sich aus kriegerischen Handlungen weitgehend heraushielten, waren die jemitischen Stämme kriegerische Söldner. Mohammed wollte aus dieser Stadt heraus, die Karawanen überfallen um seine räuberische Gemeinschaft zu versorgen. Die Allianz mit den kriegerischen Stämmen sorgte dafür, dass Mohammed militärisch stärker werden konnte. Genau wie beim „IS“ ging die Strategie der Gewalt und Belohnung auf, die in vielen Suren des Korans überliefert wird. Der räuberische Staat Mohammeds konnte sich immer stärker ausbreiten und den Widerstand seiner Widersacher brechen.

Der Nimbus der scheinbaren Unbesiegbarkeit der frühen Muslime beeinflusste auch die Ideologie des „IS“. In der Anfangsphase der Ausbreitung des „IS-Kalifats“ reichte es bereits, dass sich die Jihadisten ankündigten, sodass bewaffnete Soldaten voller Angst ihre Ausrüstungen liegen ließen und flüchteten. Es wurde mehrfach berichtet, dass Mitglieder des „IS“ in Dörfern sich telefonisch ankündigten und diese dann ohne nennenswerten Widerstand einnahmen. Das Vorgehen ihres Propheten dient den Jihadisten dabei als Blaupause der militärischen Eroberungstaktik. Auch der „korrekte“ Umgang mit Sklaven und der Beute wird im Koran geregelt.

Immer mehr freiwillige Söldner und Stammesmitglieder schlossen sich der Bewegung Mohammeds an. Er wollte die Handelsmetropole Mekka erobern, aus der er mit seinen Anhängern fliehen musste. Dazu sollte diese wirtschaftlich ausgetrocknet werden. Karawanen wurden nicht nur überfallen um seine Söldner zu finanzieren, sondern auch um Mekka zu destabilisieren. Die Herrschaft Mohammeds über seine sehr heterogene Gemeinschaft wurde immer autoritärer und fanatischer. Seine Macht wurde durch die Verfassung von Medina realisiert. Diese diktatorische Gemeinschaftsordnung regelte das Zusammenleben der Muslime und schrieb u.a. fest, dass derjenige, der einen Muslim tötete, ebenfalls getötet werden muss. Werden aber Ungläubige durch Muslime getötet, galt diese Regelung nicht. Als der „IS“ die Stadt Rakka einnahm und zweitweise zur Hauptstadt seines Kalifats machte, wurde hier nach dem Vorbild Mohammeds eine strenge islamische Gemeinschaftsordnung erlassen.

Neben Krieg auch Versorgung

Der Bewegung um Mohammed gelang es neben den jihadistischen Eroberungsfeldzügen auch die Infrastruktur in seinen Gebieten zu verbessern. Der Prophet ließ Brunnen errichten, die ihm sich angeschlossenen Stämme und Personen wurden besser versorgt. Besonders in den besonders heißen und trockenen Gebieten waren solche Maßnahmen ein Segen und garantierten immer öfter das Überleben der einfachen Bevölkerung. Diese fand durch eine vermeintlich bedingungslose karikative Versorgungsstruktur leichter einen vertrauensvollen Zugang zur neuen Weltanschauung.  Das fünfmalige Beten wurde in der medinische Phase zur kollektiven Verpflichtung aller Muslime. Der „IS“ griff dieses Vorgehen auf. Die Bevölkerung wurde mit Nahrung, Medikamenten oder Schulbildung versorgt, humanitäre Versorgungsleistungen und der Bau von Infrastrukturen im Kalifat verbesserten die Lage viele Personen. Auch das Beten wurde erneut zu einer gemeinschaftlichen Verpflichtung und Ungläubige fielen, wie unter der Herrschaft Mohammeds,  der ethnischen Säuberung zum Opfer.

Die Entführung, Versklavung und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen wurde bereits in der Zeit Mohammeds zu einem gelebten Verhalten der starken Muslime gegenüber der entmenschlichten Ungläubigen. Männer wurden generell getötet, die Jungen indoktriniert und die Frauen und Mädchen vergewaltigt. Die eroberten Frauen und Mädchen wurden unter den Kriegern Mohammeds verteilt, für besondere Ehre gebührten dem „Helden“ eine besonders hübsche und minderjährige Jungfrau als Belohnung seiner Taten. Die systematische Versklavung der jesidischen Bevölkerung unter der Herrschaft des „IS“ stellt daher nur die moderne Verhaltensweise der archaischen islamischen Verhaltensstruktur der frühen Muslime dar. Dieses schwarze Kapitel der Geschichte des Islams wird von den modernen Terrorgruppen reaktiviert.

Notwendige historische Aufarbeitung

Dem „IS“ ist, wie keine andere Terrorgruppe gelungen, das historische Narrativ des frühen Islams zu einer absoluten Norm zu entwickeln. Die Gewalt, die Entmenschlichung, der Faschismus und die Versklavung sind nicht das Ergebnis der Instrumentalisierung der Religion, sondern sind das Ergebnis der fundamentalistischen Weltanschauung islamischer Gruppen. Das gesamte Vorgehen des „IS“ ist der Tradition Mohammeds als Kriegsführer entnommen und vor allem durch den medinische Islam legitimiert. Ohne eine effektive Entschärfung der gewaltbejahenden und faschistischen Suren im Koran werden sich immer wieder Terrorgruppen auf den kriegerischen Islam berufen können. Auch wenn der „IS“ militärisch besiegt ist, die Ideologie des Todes ist fixer Bestandteil der tradierten Quellen. Ein nicht reformierter Islam wird immer wieder in Gewalt- und Herrschaftsfantasien verfallen.

Es bedarf einer theologischen und vor allem philosophischen Aufarbeitung der Historie des frühen Islams und dessen Bedeutung für heutige Muslime. Die Gewalt war von Anfang an im Islam angelegt und wurde durch den Koran zu einem festen Bestandteil der Weltanschauung. Es reicht nicht, auf die humanistischen und ethischen Suren zu verweisen, die Muslime weltweit müssen sich einem rationalen Lernprozess stellen, damit eine zukünftige Jihadistengeneration verhindert werden kann.

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