Die Entschärfung des Korans

der heilige Koran
@Erni Abdullah /Pixabay

Der Koran gilt unter den meisten Muslimen als Gottes unverrückbares und unveränderbares Wort. Damit hat das heilige Buch bis heute einen hohen Stellenwert in der Lebensgestaltung der Gläubigen. Der Koran ist zu einer polarisierenden Projektionsfläche für differente Interpretationen geworden. Liberale Muslime berufen sich auf humane Suren, Jihadisten speisen ihre Weltanschauung aus den kriegerischen Aussagen.

In der Anfangsphase des frühen Islams entstanden rund 3.000 Verse, die aber in der Bevölkerung kaum Beachtung fanden. Ständig traten neue Propheten auf und verbreiteten eine neue Religion. Somit war Mohammed mit seiner Offenbarung eine kaum einmalige Erscheinung. Die ersten Gefährten Mohammeds stammten deshalb auch aus jener sozialen Schicht, die sich nach einer gesellschaftlichen Revolution sehnten. Es handelte sich oft um Verstoßene, Verbrecher, Sklaven oder Mitglieder anderer Stämme, die sich nach einer geistigen und gesellschaftlichen Reform sehnten.

Die Gewalt kam in Medina

Mit der Hidschra nach Medina (622) änderte sich auch der Ton der Offenbarungen, die humanistischen Suren wichen politischen und kriegerischen Passagen. In Medina entstanden viele kriegerische Suren, einige rufen zum Krieg und zum Töten auf, andere beklagen verlorene Schlachten und andere regelten den Umgang mit Gefangenen und der Beute. Die humanistischen Suren entstanden in Mekka, allerhöchstens noch in der Frühphase des Schaffens Mohammeds in Medina. In der Stadt des Propheten (Medina) entwickelte Mohammed den Koran als eine raue Befehlsform, als ein gesellschaftliches Diktat zur politischen und kriegerischen Beherrschung der Welt.

In kaum ein anderes religiöses Buch wird die Tötung der Fremden so ausgiebig verbreitet wie im heiligen Koran. Diese Aussagen sind mit Sicherheit den starken Ängsten Mohammeds und seiner Gefährten geschuldet, die sich anfangs ständig in einem existentiellen Überlebenskampf befanden. Der Koran dokumentiert die Genese der neuen Religion und die Sorgen und Ängste der Anhänger, die Lebensfragen und gesellschaftlichen Herausforderungen. Neben diesen Einflüssen entwickelte Mohammed auch eine effektive und starke „Theologie des Todes“. Mit der göttlichen Legitimation konnte er seine Anhänger für Feldzüge begeistern. Ein kriegerischer Muslim kann niemals verlieren, entweder er gewinnt den Kampf gegen den Feind oder er findet sein Seelenheil im Paradies.

Der Ursprung des modernen Jihadismus

Besonders der medinische Koran bietet dem modernen islamischen Terrorismus viele Anknüpfpunkte. So wird in der Sure 9,5 zum Töten der Götzendiener aufgerufen, solange diese nicht den Islam angenommen haben. Durch solche Aussagen Mohammeds werden die Ermordung und die Islamisierung durch Zwang bis heute legitimiert und weltweit gerechtfertigt. Die Sure 9,123 ruft die Muslime auf, Härte gegenüber den Ungläubigen zu zeigen und schwört sie auf die Allmacht und die Loyalität Gottes ein.

In der Vorstellung des Kriegsherren Mohammeds werden nur wahre gläubige Muslime nach dem Tod in das Paradies kommen, für die Ungläubigen ist die Hölle bestimmt (Sure 8,14). Solche starken dichotomen Denkfiguren von Töten und feindlichen Ungläubigen, lassen sich an vielen Stellen im Koran finden. Werden diese Stellen nicht entschärft, droht der Islam zu einem sozialen Sprengsatz zu werden und immer mehr Muslime weltweit zu radikalisieren. Solche Suren finden bis heute in der Ideologie der modernen Terrorgruppen ein breites Anwendungsgebiet

Mohammed und der Koran haben bis heute die Grundlage für Gewalt und Abwertung der Ungläubigen gelegt, es bedarf dringend einer effektiven Distanzierung von sozial problematischen Suren. Die Sure 5,33 offenbart die Belohnung der wahren Gläubigen, die im Namen Gottes tapfer kämpfen und warnt die Ungläubigen, dass diese getötet oder verstümmelt werden. Solche brandgefährlichen Suren vermitteln den Muslimen eine ständige notwendige Kampfbereitschaft und verfestigen ein Gewaltbild gegenüber Ungläubigen.

Eine notwendige Entschärfung

Eine Entschärfung sozial problematischer Suren muss heute mehr denn je geschehen. Dazu muss der Koran als ein von Mohammed in Ektase geschaffenes Werk und Abbild seiner psychischen Vorgänge verstanden werden. Der Koran stellt damit die vom Propheten entwickelte Antwort auf historische Zeitfragen und gesellschaftlichen Entwicklungen dar. Die Suren spiegeln die Ängste und Sorgen, die Machtansprüche und den Hass des Propheten wider, sind aber auch Ausdruck seiner verzeihenden und barmherzigen Seite. Der Koran ist das schriftliche Zeugnis der Auseinandersetzung mit den Wünschen, Zielen und der pragmatischen Erreichbar der Vision einer monotheistischen religiösen Gesellschaftsform.

Durch eine philosophische Analyse der Suren und tradierten Quellen des Islams können die sozialen Sprengstoffe entschärft und ein sozial verträglicher Islam entwickelt werden. Eine solche rationale Kritik fragt nach dem historischen Kontext der Entstehung der Suren und nach deren Wirkungsbreite auf die heutige moderne Gesellschaft.

An die Offenbarungsgeschichte mag man glauben oder auch nicht, rational hinterlässt sie ein großes Erklärungsloch. Vielmehr muss der Koran als ein menschliches Werk verstanden werden, dass keine absolute zeitlose Legitimation besitzt. Wird der Koran mit der rationalen Kritik gelesen und philosophisch interpretiert, kann er entschärft und humanisiert werden. Durch einen solchen Lernprozess lassen sich islamischer Extremismus und Terrorismus verhindern. Solange aber die Basis dieser Ideologie unreformiert verbreitet wird, besteht weiterhin die große Gefahr der Zunahme extremistischer Lehrmeinungen.

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