Dialog Westen – Islam

Der Islam in Europa ist laufend gefordert seine Identität und seinen Standpunkt zu hinterfragen und sozial nicht verträgliche Interpretationen konsequent zurückzuweisen. Durch eine dogmatische unreflektierte Haltung der meisten eher als konservativ einzustufenden Vereine werden notwendige Prozesse eines Islams europäischer Prägung allerdings weitgehend unterbunden. Solche fundamentalistischen Gruppen und Islamverbände führen nur einen vermeintlichen Dialog, sie positionieren sich strategisch geschickt und etablieren Instrumente um ihre Stellung sowie den Machtbereich zu festigen. Dabei greift diese Strategie vor allem ein kollektives Schuldbewusstsein der europäischen Bevölkerung seit der Kolonialzeit auf und spielt mit der Religionsfreiheit und der westlichen Toleranz. Diese werden instrumentalisiert und politisiert zu einem Werkzeug in den Händen der Islamisten, der Dialog wird u.a. mit dem „Kampfbegriff Islamphobie“ abgebrochen und beendet. Der fehlende Dialog aber führt zu einer Verschärfung der Radikalisierung und zur weiteren Abschottung, letztlich entsteht aus dieser Mischung die radikale Ideologie.

Islamische Gruppen wie die Muslimbruderschaft und andere stehen für eine Religion, die nach einer Veränderung der europäischen Gesellschaft gemäß der Grundlage der Scharia streben. Solche Gruppen und deren Tochterorganisationen als Dialogpartner heranzuziehen führt zu einer fatalen Entwicklung in Europa. Solche Gruppen verstärken den Prozess der Abschottung, der Herausbildung von Parallelgesellschaften, sie etablieren schrittweise die Scharia und islamische Wertvorstellungen. Vermeintliche Schiedsgerichte auf der Basis der Scharia, die endlose Kopftuchdebatte oder die Forderung nach Geschlechtertrennung sind nur einige Beispiele einer fehlerhaften Entwicklung. Die in diesen Milieus gelebten Werte kollidieren mit den westlichen Wertvorstellungen und fordern die relativistischen liberalen europäischen Grundkonzepte heraus. Letztlich sind Muslime in erster Linie Gläubige und gehorchen Allah[1] und dann erst Europäer, sie stehen damit oftmals dem Islam näher als den europäischen Werten. Eine solche Entwicklung kann und wird nicht in einer Vielfalt der Kulturen und Religionen im Sinne der Gleichberechtigung und Toleranz führen, sondern treibt die Spaltung der Gesellschaft voran. Werden Forderungen islamistischer Gruppen nicht von der Gesellschaft umgesetzt, führt das zu einer Zunahme des Widerstandes, des Protestes und der Gewalt. Forderungen sind nach der islamistischen Vorstellung bedingungslos umzusetzen, weil sie durch eine göttliche Legitimation gerechtfertigt werden.

Fehlende Basis

Der Dialog zwischen Europäern und Muslimen steht vor einer großen Herausforderung, wobei von Seiten der Muslime bestimmte religiöse Elemente tabuisiert werden, was in vielen Bereichen zur Einschränkung eines offenen Dialogs führt.[2] Zwar ist durch eine Zunahme der Muslime in Europa auch die Möglichkeit des Dialoges angestiegen, aber letztlich bedarf die Dialogform eine Überarbeitung, damit beide Dialogpartner auf einer gleichen Ebene operieren können. Es sind im europäischen Kontext daher Überlappungen, Zusammenwachsen aber auch Spaltungen der unterschiedlichen Kulturräume erkennbar.

Es ist längst nicht mehr klar abtrennbar, was rein „muslimisch“ und rein“ europäisch“ ist, eine solche unklare Unentscheidbarkeit hat Vor- und Nachteile. Einerseits wächst dadurch die Bevölkerung zusammen, anderseits verliert die islamische Community ihre ursprüngliche Identität. Ein Prozess, den der Islamismus versucht aufzuhalten und mit allen Mitteln die islamische Identität zu erhalten. Ich kann an dieser Stelle nur nochmals eindringlich warnen: Solche islamischen Gruppen als ernsthafte Dialogpartner zu gewinnen, was in der europäischen Politik keine Seltenheit ist, stellt eine ernstzunehmende Gefahr für die europäische Gesellschaft dar. Denn diese Gruppen tendieren generell dazu, sämtliche anderen religiösen und atheistische Elemente als unislamisch und falsch zurückzuweisen und verhindern somit in ihrer Grundhaltung bereits jegliche Dialogform und Integrationsbereitschaft. Solchen Gruppen darf Europa nicht mehr einer offenen Dialogform anbieten, vielmehr muss hier der Staat als wehrhafte Demokratie proaktiv auftreten und eindeutig Stellung beziehen. Der oft verwendete Hinweis, dass sich diese Gruppen weiter radikalisieren und eine Ideologie des Märtyrerkult als unterdrücke islamische Klasse aufbaut, wenn ihre Forderungen nicht umgesetzt werden, ist insofern zu begegnen, dass solche Entwicklungen auch dann stattfinden, wenn die Forderungen erfüllt werden. Die Erfüllung der Forderungen sind die offenen Entwicklungen zu einer immer stärker werdenden politischen Aktivität islamischer Verbände. Europa muss an dieser Stelle präventiv agieren und entsprechende Maßnahmen zu Verhinderung der Radikalisierung setzen, darunter auch Verbote bestimmter Gruppen.

Die religiöse Sprachform

Die religiöse Sprache des Islamismus wird im Westen nicht mehr gesprochen und kann daher kaum verstanden werden. Mit fatalen Folgen. Aus Unwissenheit und Unverständnis wird dem Islamismus in Europa eine Bühne geboten, obwohl in vielen islamischen Ländern diese Bewegung militärisch bekämpft wird. Toleranz, Religionsfreiheit, Humanismus und die Aufklärung werden von den Islamisten ausgenutzt. Das öffentliche Beten stellt ebenso eine Machtbestrebung dar, wie islamische Parteien, die Mitgestaltung und Konzeption von Bildungsgütern und das Missionieren. Das Recht seinen Glauben auszuüben kein Deluxe-Recht, sondern kann in der modernen Gesellschaft auch beschnitten werden.

Auch die christlichen Kirchen haben gelernt, ihre religiösen Konzepte und Forderungen in Form einer säkularen Sprache zu verpacken. Der Islam tritt aber oft als eine totalitäre Vorstellung auch in sprachlicher Hinsicht religiös auf. Die Sprache der Muslime und insbesondere die der Islamisten, ist eine religiös-mythische Form. Damit verlieren aber beide Dialogpartner eine gemeinsame Basis, sie reden einander vorbei, Begrifflichkeiten werden unterschiedlich verstanden und verwendet. Als Beispiel soll die Idee der Religionsfreiheit verdeutlichen, wie der Dialog zwar strukturell geführt werden kann, aber inhaltlich sich gänzlich unterscheidet. Religionsfreiheit im Islam bedeutet vor allem die vollständige Auslebung der eigenen Religio, das bedeutet auch die Realisierung islamischer Rituale und Vorstellungen. Hingegen wird im Westens Religionsfreiheit als die pluralistische gleichberechtigte Existenz unterschiedlicher religiöser Vorstellungen verstanden. Auch die Begrifflichkeit der Toleranz wird unterschiedlich gedeutet. Im islamischen Kontext bezieht sich Toleranz auf die eigene Gruppe und die einheitliche Wertebasis „Asabiyya“[3] innerhalb der eigenen Community. Hingegen das Toleranzkonzept des Westens sämtliche Strömungen und Weltanschauungen weitgehend „toleriert“. Ohne eine Aufarbeitung der missverständlichen Begrifflichkeiten und ohne eine klare europäische „Leitkultur“ tendiert der politische Islam dazu, seine Werte und Weltanschauung als Leitkultur zu etablieren und durchzusetzen.

[1] Vgl. Sure 3,32, Sure 4,59, Sure 33,36 und andere

[2] Vgl. Bassam Tibi, Der Euro-Islam“, Seite 72

[3] Vgl. Bassam Tibi, Der Euro-Islam“, Seite 41
Please follow and like us:
error

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.