Der heilige Koran – Das Buch des Propheten

der heilige Koran
@Erni Abdullah /Pixybay

Nach der islamischen Vorstellung wurde die göttliche Botschaft dem Propheten durch den Engel Gabriel offenbart. Mohammed wiederrum überbrachte die Botschaft an die Araber und ihm gelang es, eine starke religiös-politische Bewegung zu schaffen. Seine Anhänger schrieben seine Aussagen und Lehren auf, die später unter dem dritten Kalifen Uthman zu einer einheitlichen Koranfassung zusammengestellt wurde.

Soweit diese Lehren nicht verloren gegangen oder der theologischen Zensur zum Opfer gefallen sind, stellt die Offenbarung bis heute die Grundlage des islamischen Glaubens dar. Das heilige Buch umfasst 144 Suren in unterschiedlicher Länge. Nach der islamischen Lehre erhielt der Prophet der Muslime seine erste göttliche Botschaft im Jahr 610 n. Chr. in einer Höhle in der Nähe der heutigen Stadt Mekka. Die erste Offenbarung befahl den Propheten die Botschaft seines Herren zu verbreiten: Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat, den Menschen aus einem Embryo erschaffen hat! Trag (Die Worte der Schrift) vor[1]! […] Die Botschaft, die Mohammed nun zu seiner Lebzeit verkündigen sollte, waren nicht seine Worte, sondern die Botschaft Gottes.

Die tolerante Phase des Islams

Während seiner zwölfjährigen Schaffensphase in Mekka zeigte Mohammed, trotz starker Abneigung und Verurteilung, einen großen Respekt vor dem Monotheismus und den christlich-jüdischen Einwohner. Tatsächlich propagierte er, Allah sei der gleiche Gott, der auch von den Christen und Juden verehrt werde. Mit diesem Trick gelang es ihm, die vermeintliche Gemeinsamkeit der drei Religionen zu bilden und später die Notwendigkeit der Übernahme des Islam zu rechtfertigen. Sowohl mit dem Wort als auch mit dem Schwert. Doch noch war der Islam eine friedliche Bewegung, welche die sozialen und religiösen Missstände in Mekka offen und immer lauter anprangerte. Erst nachdem Mohammed mit einer Gruppe von Muslimen Mekka in Richtung Medina verlassen hatte, entwickelte er eine expansive, militärische und politische Ideologie, die bis heute noch hochaktiv nachwirkt.

Wer nun aber meint, dass die toleranten Verse und Botschaften weiterhin ein fixer Bestandteil der islamischen Weltanschauung sind, der irrt insofern, dass die späteren Verse die früheren Botschaften weitgehend aufheben. Das bedeutet, dass die kriegerischen und politischen Suren die toleranten und friedlichen Suren bei Widersprüchlichkeiten aufheben. Der Koran selbst legt dieses Prinzip als strenges Interpretationsmuster fest:  Wenn wir einen Vers (aus dem Wortlaut der Offenbarung) tilgen oder in Vergessenheit geraten lassen, bringen wir (dafür) einen besseren oder einen, der ihm gleich ist. Weißt du denn nicht, daß Gott zu allem die Macht hat?[2]

Das Ende der Toleranz

Der oben genannte Vers scheint als eine Reaktion auf die anhaltende Kritik der Araber an der Botschaft Mohammeds zu sein, die in der göttlichen Lehre mitunter Widersprüche erkannt hatten. Um sich gegen solche kritischen Einwände abzusichern, sah sich Allah gezwungen, diesen Vers Mohammed zu offenbaren. Somit konnten geschickt Widersprüche erklärt und der Grundstein für die vielen modernen islamischen Herausforderungen gelegt werden. Mohammeds Argument gegen seine Kritiker war, dass Allah in der Lage ist, alles zu tun und sogar seine Meinung zu ändern. Das hinterlässt den bitteren Nachgeschmack der Frage nach der Allwissenheit und Allmacht Gottes? Warum musste Gott seine Botschaft verändern? Und warum entwickelte er aus einem anfänglich toleranten islamischen Monotheismus eine intolerante, politisch-kriegerische Ideologie?

Problematisch bei der Interpretation des Korans ist der Umstand, dass die Botschaft erst später in Buchform gepresst wurde und die Anordnung nach der Länge der Suren ist. Damit sind die thematischen oder gar chronologischen Zusammenhänge aufgelöst und nur durch Hinzuziehen weitere Quellen können die Suren weitgehend bestimmten Zeiträumen zugeordnet werden.

Anhand dieser Zuordnung lässt sich die starke Unterscheidung in eine mekkanische und eine medinische Phase erkennen. War die Botschaft in Mekka noch weitgehend tolerant, änderte sich der Ton merklich nach der Hidschra. Aus einer sozial-politischen Sichtweise ist diese Veränderung leicht erklärbar. In Mekka waren die Muslime eine kleine und unscheinbare Gruppe, welche kaum politische Macht hatten. Die Gruppe der Muslime war schwach und verwundbar, hätte Mohammed hier bereits machtpolitische Ansprüche gestellt, wäre es wohl zu einem Angriff der herrschenden Stämme gekommen. Es ist unwahrscheinlich, dass die frühen Muslime einer systematischen Verfolgung überstanden hätte. Erst in Medina konnten die Muslime ihren Machtbereich ausbauen und gesellschaftlich-politischen Einflüsse auf die Region nehmen.

Eine philosophische Sichtweise ist notwendig

In Medina, der Stadt des Propheten, entwickelte Mohammed die politische Ideologie des Islams, die neben der Theologie des Todes, einen weltweiten sozialen Sprengsatz beinhaltet. Eine notwendige Entschärfung der islamistischen Weltanschauung wird damit zum Kernelement einer Europäisierung des Islams auf Basis der Menschenrechte.

Der Koran muss als ein menschliches Produkt eines schaffenden Mannes verstanden werden und seiner göttlichen Sakralisierung befreit werden. Auch muss er aus dem normativen Kontext herausgelöst und als ein ethisch-historisches Schriftwerk verstanden werden. Dann kann es gelingen, einen Islam innerhalb sozial-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu entwickeln.

[1] Vgl. Sure 96,1-3
[2] Vgl. Sure 2,106

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