Der gefährliche Einfluss der Muslimbruderschaft

Logo der MuslimbruderschaftDer Einfluss der muslimischen Länder auf die hier in Europa lebenden Muslime ist sehr stark. Durch Propaganda in den sozialen Netzwerken, weniger durch das Fernsehen, werden vor allem die Jugendlichen erreicht. Es gibt aber auch finanzielle Zuwendungen, besonders aus Katar oder Saudi-Arabien. Die Muslimbruderschaft ist international vernetzt. Imame werden (noch) hauptsächlich in der Türkei ausgebildet und dann nach Europa geschickt. Besonders der populäre Einfluss von Starpredigern, welche immer wieder auf „Tournee“ in Europa gehen, hat enormen Einfluss auf die Muslime in Europa. Es handelt sich hierbei um gezielte Missionierung, wie es Ahmad Monsour betont.[1]

Seit den 1960er Jahren hat die Muslimbruderschaft auch in Europa Fuß gefasst und hat durch ihre Ideologie unterschiedliche islamische Gruppierungen teilweise stark beeinflusst. Der Islam ist in dem Verständnis der Muslimbruderschaft eine untrennbare Einheit von Politik und Religion. Der ideologische Hintergrund des Entstehungskontextes der Muslimbruderschaft besteht in der Erfahrung mit den direkten Einflüssen der Kolonialzeit in Ägypten. Das Ziel der Muslimbruderschaft besteht darin, eine religiös legitimierte Herrschaft zu errichten.

Nach der Hinrichtung Qubt in den 1960er Jahren kam es zu Reformen innerhalb der Muslimbruderschaft, von ihren Kerninhalten weichen sie aber bis heute nicht ab. In den nachfolgenden Auseinandersetzungen der Muslimbruderschaft wurde die Gewalt stärker abgelehnt und die Bruderschaft suchte in der Auseinandersetzung mit parlamentarischen Mitteln eine neue Identität. Trotz dieser Entwicklung unterhielt die Bruderschaft weiterhin einen militärischen Arm, der radikalisiert auch gewaltbereite Aktionen startete und immer wieder terroristische Gruppierungen inspirierte. Auch finanzielle Unterstützung aus Saudi-Arabien, die sich dadurch eine Verbreitung der wahhabitischen Lehre erhoffte, führten zu einem starken Anstieg der Muslimbruderschaft und dessen Machtfaktor. In vielen Konflikte sind die Muslimbruder bzw. Teilorganisationen beteiligt und involviert.

The Project – Strategie der Eroberung

Die Grundlage der „Islamisierung“ der Welt folgt dem „The Project“ Strategiepapier, das der Ideologie der Muslimbruderschaft zugrunde liegt. In dem Strategiepapier, dass 2001 in der Villa des Bankiers Youssef Nada in der Schweiz, dem Delegierten der Muslimbrüder für Internationale Fragen, gefunden wurde, wird die Strategie der Islamisten offengelegt. Die Durchsuchung der Bank sowie die Privaträume standen im Zusammenhang mit der Terrorattacke auf die USA 2001.

Das Strategiepapier „The Project“ stammt, wie der Islam- und Terrorexperte Amer Albayati berichtet, vermutlich von Sa´id Ramadan (1926-1995) dem Schwiegersohn des Gründers der Muslimbruderschaft Al-Banna. Das Dokument wurde vermutlich bereits in den 1950er Jahren geschrieben, bevor erste offiziellen Außenstelle der Muslimbruderschaft in den 1960er Jahren in München und Genf aufgebaut wurden.[2]

Unter anderem wird in diesem Dokument erklärt, wie die Gründung eines Gottesstaates durch geschickte Manipulation der regionalen und lokalen Machtverhältnisse unterstützt wird. Die Umsetzung des Gottesstaates verfährt daher nicht durch den bewaffneten Kampf der Terrorgruppen, sondern durch institutionelle Behördengänge. Auch wird hier beschrieben, dass zum Zwecke der Umsetzung des Ziel temporäre Eingeständnisse mit rechten, linken und politischen Gruppen eingegangen werden soll, sofern das die Zielsetzung der Errichtung des Gottesstaates dienlich sei.

Zwar wird die strenge Anwendung der göttlichen Gesetze gefordert, aber gleichzeitig wird auch gewarnt, sich nicht mit den politischen Machthabern anzulegen. Das wiederum führe zu Angriffen auf die Da`wah – Missionen oder weitere diskriminierenden Maßnahmen. Auch wird dargestellt, dass eine ständige „Da`wah“ Mission aufgebaut werden muss, damit ideologisch der Jihad vorbereitet werden kann. Hier wird bereits die anonymen Kommunikationsmethoden und Überwachungsinstrumente als notwendiges Instrument der Steuerung der Einzelgruppen und Personen vorweggenommen.

Das Ziel ist der Gottesstaat

Der weltweite Einsatz der Muslime muss ganz dem Ziel des Aufbaus eines Gottesstaates gewidmet sein. Auf einer lokalen Ebene soll vor allem der Dialog gefördert werden, um zu Missionieren. Die Strategie der Islamisten besteht darin, politische Aktivitäten zu nutzen. Es soll an unterschiedlichen politischen Aktivitäten teilgenommen werden. Es sollen im Gesundheitswesen, Bildungssystem, karikativen Institutionen und politischen Verbänden ideologische Programme und islamische Werte verbreitet werden. Das Ziel ist die schleichende Kontrolle über lebenswichtige Institutionen in Europa. Auch soll im akademischen Zirkeln eigene Studien- und Interessensgruppen mit dem Ziel der Imagepflege und der Darstellung des Islams im islamistischen Sinne gegründet werden. Konzepte hieraus sollen direkt in die Lehrbücher fließen. Das alles soll der ideologischen Vorlage der Errichtung des Gottesstaates dienen.

Das übergeordnete Ziel ist die Errichtung eines weltweiten islamischen Gottesstaates auf Basis der Scharia. Sämtliche Bemühungen sind daher im Kontext der Scharia zu unternehmen. Die Regierungen, sämtliche politischen Mächte und NGO`s müssen dahingehend missioniert werden, dass ihre Einstellung gegenüber dem Islam wohlwollend wird. Es sollen Gesetze, Richtlinien, Empfehlungen, Verfassungen entwickelt werden, die gemäß der Scharia ausgerichtet sind und auch in Europa zur Etablierung kommen können. Die Zusammenarbeit der muslimischen Vereine muss fokussiert werden. In diesem Zusammenhang relevant ist die Erwähnung der Zusammenarbeit der fundamentalistischen Muslimvereine weltweit und ihr Netzwerk. Liberale Muslime hingegen sind auch mangels der Verfügbarkeit nur wenig verknüpft miteinander. Aus dem Netzwerk der Fundamentalisten entwickelte sich eine starke Machtposition heraus.

Das Strategiepapier erinnert in seiner Zielsetzung und Ausarbeitung an die „Kommunistische Internationale“ (Komintern). Auch nach deren Strategie sollten kleine allerdings kommunistische Gruppen weltweit vernetzt werden, um eine Revolution entfachen zu können. Gegründet 1919 in Moskau bis zur Auflösung 1949 diente dieses System allerdings mehr der Unterdrückung und Kontroller, anstelle der revolutionäre Ausbildung.[3] Auch die „Komintern“ baute ein System von Spitzeln, von Missionierungsstellen auf und engagierte sich in der örtlichen Politik. Die beiden Texte sind ähnlich gehalten und es bedarf nur des Austausches einiger Begriffe damit aus dem kommunistischen Konzept das Programm der Islamisten wird und umgekehrt. Die „Komintern“ hat heute kaum noch relevante Bedeutung, das islamistische Strategiepapier hingegen schon.

Sozialer Sprengsatz Muslimbruderschaft?

Die aktuelle Bedrohungslage der Muslimbruderschaft muss eher als diffus bezeichnet werden, als direkte jihadistische Gewalt. Die aktuellen Mitglieder haben von ihren gewaltbereiten Vorgängern gelehrt, teilweise deren Methoden abgelehnt oder weiterentwickelt. In vielen Dokumenten, Texten oder Reden von Mitgliedern der Bruderschaft, lassen sich immer wieder Rückbezüge zu früheren radikalen Denkern finden. Teilweisen lassen sich Gedankengut von Terroristen wie Gruppen von „Jihad Islami“ oder „Gama`a Islamiyya“ finden.

Zentraler Punkt der Ideologie der Muslimbruderschaft ist die strenge Bejahung einer religiös legitimierten Staatsform. Der Islam ist dabei das Ordnungsprinzip der gesellschaftlichen Strukturen, wobei die Scharia als allgemein gültiges und absolutes Regelwerk begriffen wird. Viele der in der früheren Muslimbruderschaft formulierten Ziele lassen sich in den unterschiedlichen islamistischen Gruppen heute finden, darunter das Ziel der Errichtung eines Kalifats, die Bekämpfung der westlichen Werte und Islamisierung des Westens.

Die islamische Gemeinde nach der Vorstellung der Muslimbruder stellt ein gegenläufiges Modell der westlichen Zivilgesellschaft dar, allerdings ohne den sittlichen Verfall der westlichen Wertegemeinschaft. Nach dem revolutionären Aktionismus der Muslimbruder in Ägypten und dem Scheitern dieses Aufstandes, orientierte sich die Muslimbruderschaft auf evolutionäre Islamisierungsprozesse. Nicht mittels direkter Gewalt, sondern durch Anwendung der jeweils pragmatischen Instrumente im jeweiligen Land stellen die Methoden der Islamisierung dar. Darunter politische und Missionarische Instrumente. Mittelpunkt stellt vor allem die Bildungsebene dar.

Sämtliche Bemühungen der Islamisten sollten darauf ausgerichtet sein, dass das „Böse“ bekämpft wird. Was das „Böse“ in diesem Kontext darstellt, sind vor allem die westlichen liberale Werte. Die Zusammenarbeit der Muslime untereinander aber auch mit anderen Gruppen verstärkt werden. Das „Passende“ soll unterstützt werden, hingegen das „Unpassende“ bekämpft werden. In diesem Zusammenhang passt auch das von Yusuf al-Qaradawi herausgebene Dokument „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“, dass lange Zeit Grundlage der islamischen Kindergärten und Schulen in Österreich war.

Infiltrierung Europas

In Europa hat die Muslimbruderschaft viele Strukturen aufgebaut und ist oft verbunden mit politischen Vertretern. Als europäischer Dachverband fungiert die „Föderation Islamischer Verbände in Europa’ (‘Federation of Islamic Organisations in Europe’ – FIOE) mit Sitz in Leicester. Strukturell ist die FIOE an die Mutterorganisation orientiert.

Eine weitere wichtige und einflussreichste Organisation der Muslimbruder ist die ‘Europäische Fatwarat’ (‘European Council for Fatwa and Research’ – ECFR) mit Sitz in Dublin. Das hier gelebte Verständnis ist noch als gemäßigt zu verstehen aber keineswegs kompatibel mit den europäischen Werten. Die Muslimbruderschaft versucht durch Organisationen wie die ECFR oder die FIOE und andere Organisationen sowie ihr angeschlossene Moscheen und Vereine eine kulturelle Homonymie über die Muslime in Europa zu erreichen und damit die Deutungshoheit des Islams zu besitzen. Die Gefahr der Muslimbruderschaft wird von den politischen Entscheidungsträgern unterschätzt. Wenn Europa nicht endlich aktiv wird, droht in einigen Bereichen ein gesellschaftlicher Kollaps. Die Zeichen sind deutlich, jetzt muss aktiv gehandelt werden.

[1] Vgl. Ahmad Monsour, „Generation Allah“
[2] Vgl. Amer Albayati, Auf der Todesliste des IS
[3] Vgl. http://www.zeit.de/1980/53/die-kommunistische-internationale

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