Das Ende des orientalischen Christentums

In der Gegend zwischen dem Euphrat und dem Tigris gab es in der vorislamsichen Ära viele christliche Kirchen und Klöster. Die im byzantinischen Reich verfolgte nestorianische Form des Christentums hatte sich u.a. in Babylon, in Fars, an der Ostküste Arabiens und dem Oman verbreitet. Bis heute lassen sich Spuren auch in Teilen Afghanistan, dem Iran und sogar China nachweisen. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe auf der arabischen Halbinsel stellten die Juden dar, die auch in Syrien Gemeinden hatten. Diese religiösen ethnischen Gruppen gerieten immer mehr in das Fadenkreuz des sich ausbreitenden Islams.

Dem mächtigen persischen Reich, dass mehrheitlich tolerant gegenüber der religiösen Vielzahl auftrat, stand das byzantinische Reich gegenüber. Dieses hatte Einfluss in Syrien, Palästina bis hin nach Nordafrika. In der Zeit der jüdischen und unterschiedlichen christlichen Gemeinden, erlebte die Gegend einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung und obwohl das byzantinische Christentum intolerant auftrat, siedelten viele jüdische Gemeinden in ihrem Einflussgebiet im Norden Arabiens. Trotz etlicher religiös-kriegerischen Konflikte, war die Gegend weitgehend stabil, es manifestierte sich ein mannigfaches religiöses Treiben. Das Judentum und auch etwas später das Christentum hatten sich bis nach Afrika zügig ausgebreitet und eine geistige kulturelle Welle erfasste das durch Wüstenlandschaften abgetrennte Arabien bis weit ins persische Reich hinein.

Viele eingewanderte jüdische Stämme lebten als Händler und Handwerker unter den polytheistischen Arabern in den unterschiedlichen Oasen wie Yatrib (später Medina), Tabuk, oder Chabair.  Da es keine einheitliche staatliche Macht gab, waren zwischen den kriegerischen Nomaden im Norden und dem sesshaften Süden Löse- und Schutzgeldsysteme entstanden. Diese auf Basis der asymmetrischen Macht entstandenen Abhängigkeitssysteme stabilisierten das Reicht weitgehend durch einen gewaltsamen Zwang.

Der Islam breitet sich rasch aus

Bei den Eroberungszügen der Muslimen in den Osten, nach Süden oder den Norden bis nach Spanien und Südfrankreich hinauf, wurden christliche und jüdische Gemeinden geplündert, die männlichen Bewohner meist getötet, Frauen und Kinder in die Sklaverei deportiert und sämtliche nicht-muslimische Relikte vernichtet. Bereits in dieser frühen Zeit entwickelte sich als möglicher Schutz gegen die immer wieder einfallenden und plünderten Araber die Grundzüge der söldnerischen Aufgabenverteilung. Die immer einfallenden Beduinen in Syrien oder in Teilen Mesopotamien machten einen Grenzschutz relevant. Die Byzantiner beauftragten die Ghassandiden, einem christlich-arabischen Stamm mit der Aufgabe des Grenzschutzes. Im Gegenzug wurden regelmäßig Unterstützungen und Waffenlieferungen gewährt.

Es wurde schnell zu einer religiösen Pflicht der Muslime, die Christen zu bekämpfen damit die Herrschaft des Islams sich weiter ausbreiten konnte. Daraus folgte die mindestens viermal im Jahr stattfindende Eroberungs- und Plünderungswelle (ghazwas). Das waren zumeist lokale und kleinere Unternehmungen, größere militärischen Expansionen benötigten immer die Organisation des Kalifen, der diese Unternehmungen leitete. In der Zeit der Umaiyden-Herrschaft waren die Schriftbesitzer mehrheitlich Christen, sie waren die große Mehrheit der Untertanen im islamischen Reich und stellten aufgrund der Tributzahlungen ein starke ökonomische, aber auch politische Macht dar. Diese politische Untergruppe stellte aber auch gleichzeitig die gebildetste Bevölkerungsschicht im Staat dar. Sie hatten Kenntnisse über Ackerbau, Kultur, Techniken, Handel, Architektur oder Verwaltung und waren somit unerlässlich für die Weiterentwicklung des islamischen Staates. Der recht junge islamische Staat war bemüht, das asymmetrische Verhältnis der gebildeten aber unterdrückten christlichen und jüdischen Bevölkerungsschicht und der herrschenden, aber mehrheitlich ungebildeten muslimischen Schicht aufzuheben und die Kenntnisse in kollektives Wissen zu überführen. Durch strenge Regeln und theologische Argumente, wurden die Rechte der Unterschicht immer weiter eingedämmt und das Wissen gesetzlich transferiert.

Ungläubige wurden zur Zielscheibe

Die eroberten Länder wurden in das „Dar al-Islam“ (Haus des Islams) eingegliedert, und den Muslimen unterstellt. Das Eigentum der Nicht-Muslime ging über in das Eigentum der Muslime, langfristig hatten die Eroberungen das Ergebnis, dass immer mehr christliche und jüdische Stämme und Gemeinschaften verschwanden. Die Situation der Christen und Juden unter dem islamischen Banner war geprägt, durch Folter, Ausbeutung, Gewalt, Versklavung vor allem der Kinder und Frauen und der ständigen Gefahr des Blasphemie-Vorwurfes, worauf die Todesstrafe stand.

Im so genannten „Goldenen Zeitalter“ im Islam unter der Herrschaft der „Umaiyaden“ wurden Andersgläubige verfolgt, besonders unter dem Kalifen „Am-Mahdi“ (775-85 v. Chr.) wurden Christen massiv verfolgen und viele christliche Gebäude zerstört und durch Moscheen ersetzt. Die Verfolgung der Christen steigerte sich immer weiter, sie füllten immer mehr Gefängnisse und wurden enteignet, getötet und versklavt. Im 17. Jahrhundert wurden die verbliebenen Kirchen und Klöster immer mehr in Ställe umgewandelt. Das orientalische Christentum wurde durch den Islam immer stärker verdrängt.

Allah legitimiert die Gewalt

Die entsprechenden Koranverse rechtfertigten immer wieder angepasst die kriegerischen Raubzüge und lieferten ein psychologisches Moment der legitimen Eroberungsstrategie. In den Anfängen des Eroberungsjihads wurde auch die Auseinandersetzung mit Nicht-Muslimen konkretisiert. Mohammeds Verhalten in der Frühphase des Jihads gegenüber Juden, Christen und Andersgläubige ist bis heute ein normativer Handlungsstrang für islamistische und radikale Weltanschauungen. Die Ausbeutung, Tötung und Versklavung von „feindlichen“ Stämmen findet bis heute radikale Anwendung in den jihadistischen Terrorgruppen vom Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Afrika. Die heutige Christenverfolgung hat weltweit ihren traurigen Höhepunkt erreicht. Aber nicht nur in den arabischen Ländern werden Christen und Andersgläubige denunziert und verfolgt, sondern auch in den europäischen Ländern nehmen die Übergriffe zu.

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