Das Ende des orientalischen Christentums

Mann in der arabischen Wüste
@Squirrel_photos /Pixabay

In der Gegend zwischen dem Euphrat und dem Tigris gab es in der vorislamischen Ära viele christliche Kirchen und Klöster. Die im byzantinischen Reich verfolgte nestorianische Form des Christentums hatte sich u.a. in Babylon, in Fars, an der Ostküste Arabiens und dem Oman verbreitet. Bis heute lassen sich Spuren auch in Teilen Afghanistan, dem Iran und sogar China nachweisen. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe auf der arabischen Halbinsel stellten die Juden dar, die auch in Syrien Gemeinden hatten. Diese religiösen ethnischen Gruppen gerieten immer mehr in das Fadenkreuz des sich ausbreitenden Islams und sind bis heute vielen Verfolgungen ausgesetzt.

Dem mächtigen persischen Reich, dass mehrheitlich tolerant gegenüber der religiösen Vielzahl auftrat, stand das byzantinische Reich gegenüber. Dieses hatte Einfluss in Syrien, Palästina bis hin nach Nordafrika. In der Zeit der jüdischen und unterschiedlichen christlichen Gemeinden, erlebte die Gegend einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung und obwohl das byzantinische Christentum intolerant auftrat, siedelten viele jüdische Gemeinden in ihrem Einflussgebiet im Norden Arabiens. Trotz etlicher religiös-kriegerischen Konflikte, war die Gegend weitgehend stabil, es manifestierte sich ein mannigfaches religiöses Treiben. Das Judentum und auch etwas später das Christentum hatten sich bis nach Afrika zügig ausgebreitet und eine geistige kulturelle Welle erfasste das durch Wüstenlandschaften abgetrennte Arabien bis weit ins persische Reich hinein.

Der Islam breitet sich rasch aus

Bei den Eroberungszügen der Muslimen in den Osten, nach Süden oder den Norden bis nach Spanien und Südfrankreich hinauf, wurden christliche und jüdische Gemeinden geplündert, die männlichen Bewohner meist getötet, Frauen und Kinder in die Sklaverei deportiert und sämtliche nicht-muslimische Relikte vernichtet. Bereits in dieser frühen Zeit entwickelte sich als möglicher Schutz gegen die immer wieder einfallenden und plünderten Araber die Grundzüge der söldnerischen Aufgabenverteilung. Die immer einfallenden Beduinen in Syrien oder in Teilen Mesopotamien machten einen Grenzschutz relevant. Die Byzantiner beauftragten die Ghassandiden, einem christlich-arabischen Stamm mit der Aufgabe des Grenzschutzes. Im Gegenzug wurden regelmäßig Unterstützungen und Waffenlieferungen gewährt.

Es wurde schnell zu einer religiösen Pflicht der Muslime, die Christen zu bekämpfen damit die Herrschaft des Islams sich weiter ausbreiten konnte. Daraus folgte die mindestens viermal im Jahr stattfindende Eroberungs- und Plünderungswelle (ghazwas). Das waren zumeist lokale und kleinere Unternehmungen, größere militärischen Expansionen benötigten immer die Organisation des Kalifen, der diese Unternehmungen leitete.

Ungläubige werden zur Zielscheibe

Die vom Islam eroberten Gebiete wurden in das „Dar al-Islam“ (Haus des Islams) eingegliedert und unter der Herrschaft der Muslime gestellt. Das Eigentum der Nicht-Muslime ging über in das Eigentum der Muslime. Langfristig hatten die Eroberungen das Ergebnis, dass immer mehr christliche und jüdische Stämme und Gemeinschaften verschwanden. Die Situation der Christen und Juden unter dem islamischen Banner war geprägt, durch Folter, Ausbeutung, Gewalt, Versklavung vor allem der Kinder und Frauen und der ständigen Gefahr des Blasphemie-Vorwurfes, worauf die Todesstrafe stand.

Im so genannten „Goldenen Zeitalter“ des Islams unter der Herrschaft der „Umaiyaden“ wurden Andersgläubige verfolgt, besonders unter dem Kalifen „Am-Mahdi“ (775-85 v. Chr.) wurden Christen massiv verfolgen und viele christliche Gebäude zerstört und durch Moscheen ersetzt. Die Verfolgung der Christen steigerte sich immer weiter, sie füllten immer mehr Gefängnisse und wurden enteignet, getötet und versklavt. Im 17. Jahrhundert wurden die verbliebenen Kirchen und Klöster immer mehr in Ställe umgewandelt. Das orientalische Christentum wurde durch den Islam immer stärker verdrängt.

Allah legitimiert die Gewalt

Die entsprechenden Koranverse rechtfertigten immer wieder angepasst die kriegerischen Raubzüge und lieferten ein psychologisches Moment der legitimen Eroberungsstrategie. In den Anfängen des Eroberungsjihads wurde auch die Auseinandersetzung mit Nicht-Muslimen konkretisiert. Mohammeds Verhalten in der Frühphase des Jihads gegenüber Juden, Christen und Andersgläubige ist bis heute ein normativer Handlungsstrang für islamistische und radikale Weltanschauungen. Die Ausbeutung, Tötung und Versklavung von „feindlichen“ Stämmen findet bis heute radikale Anwendung in den jihadistischen Terrorgruppen vom Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Afrika. Die heutige Christenverfolgung hat weltweit ihren traurigen Höhepunkt erreicht. Aber nicht nur in den arabischen Ländern werden Christen und Andersgläubige denunziert und verfolgt, sondern auch in den europäischen Ländern nehmen die Übergriffe zu.

Die Grundlage der heutigen Verfolgung der Christen, Juden und Andersgläubigen findet sich den tradierten Lehren des Islams. Solange es keine intensive Debatte über die historischen Entwicklungen, das Gewaltpotential in der islamischen Weltanschauung und eine starke Zurückweisung gewaltbejahende Lehren gibt, werden Gewalt, sozial-gesellschaftliche Missstände und religiöser Extremismus sich weiterhin verbreiten.

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