Auftritt „problematischen“ Prediger abgesagt

OE24 berichtete, dass am vergangenen Wochenende der salafistischer Prediger Safet Kuduzovic als Ehrengast in einem islamischen Wiener Verein eine Rede halten sollte. Diese Veranstaltung wurde, nachdem die politische Kritik zu groß wurde, abgesagt. In der Stellungnahme des Vereins, ILUM-Haus des Wissens (zur IGGiÖ zugehörig), wurde die vollständige Anerkennung der westlichen Gesellschaft betont. Zwar war durchaus bewusst, dass Safet Kuduzovic als umstritten gilt, aber man wolle von dem extremistischen Gedankengut nichts gewusst und diese erst durch die Medien erfahren haben. Diese geplante Veranstaltung verdeutlicht erneut, die Verbindung der österreichischen Szene mit der salafistischen Bewegung auf dem Balkan.

Safet Kuduzovic gilt als einer der aktuell prominentesten salafistischen Prediger, die ihr Gedankengut und Lehren durch Vorträge und Predigen verbreiten. Er predigt gegen Ungläubige und fördertet den Hass unter Muslimen. Kritiker des Propheten sollen nach ihm mit dem Tod bestraft werden. In meinem kürzlich publizierten Buch habe ich vor diesen Entwicklungen gewarnt. Solche salafistischen Lehren bilden das ideologische Grundgerüst für den „Salafiya Jihadismus“.

Wer zulässt das durch solche reisenden Starprediger der Nährboden für Hass und Gewalt gesät wird, braucht sich später nicht wundern, wenn daraus gewaltbereite Handlungen entstehen. Radikale Tendenzen entstehen immer dort, wo eine eindeutige dichotome Weltanschauung gelehrt wird.  Ihre Predigten sind, wie es Abdel-Hakim Ourghi auf den Punkt bringt, ein Register fertiger Antworten.[1] Damit wird jegliche Individualität und freies Denken abgeschaltet, die tradierten Quellen werden mit dem Filter des gewaltbereiten Salafismus interpretiert.

Die Moschee wird hier zum Sammelbecken frustrierter Muslime und Konvertiten, dabei strahlt die Macht der Moschee durch die Jugendlichen bis in öffentlich säkulare Bereiche. Die in den Moscheen „ausgebildeten“ Jugendlichen treten dann ganz anders gegenüber Lehrern, Mitschülern, Freunden, Familienmitgliedern aber auch Außenstehenden auf, weil sie etwas sicher wissen und andere belehren können. Sie sind im vermeintlichen Heilswissen der Moralität. Diese Exklusivität führt dazu, dass die Anhänger ihre Ideologen und die Gemeinschaft sakralisieren. Die Ausbreitung dieser Prozesse birgt einen massiven gesellschaftlichen Sprengsatz.

Sie verführen ihre Anhänger zu einem Kampf für die islamischen Werte. Die Moschee muss im europäischen Kontext zu einem Ort werden, wo Gläubige gemeinschaftlich aber auch individuell die Nähe zu Gott suchen können. Damit ist eine Entpolitisierung der Moschee in Europa gefordert. Predigten müssen aus ihrem politischen Rahmen weitgehend herausgelöst werden, und die Weltanschauung in den Moscheen muss von früheren Lehren und modernen radikalen Inhalten gereinigt werden. Barmherzigkeit und Liebe sollen die neuen Gebote werden, wie es Abdel-Hakim Ourghi fordert.[2] Damit müssen fatale Lehrinhalte wie Unterdrückung, Gehorsam und mythische Denkfiguren schrittweise aus dem kollektiven Verständnis der Muslime gelöscht werden.

[1] Vgl. Abdel-Hakim Ourghi, Reform des Islams, Seite 143.

[2] Vgl. Abdel-Hakim Ourghi, Reform des Islams, Seite 141.

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