Die Moschee

Generell sind Moscheen eine Art Kultstätte der islamischen Glaubensgemeinschaft. In früheren Zeiten des aufstrebenden Islams, umgaben die Moscheen (jami) noch weitere Anlagen, wie eine Madrasa (islamische Schule), eine Bibliothek, ein Brunnen, ein Gesundheitsamt oder eine Kantine. Damit war das religiöse Zentrum, dass sich archetektonisch in das Stadtviertel eingliederte, neben einem spirituellen Ort, auch ein Ort der Begegnung, der Bildung und der sozialen Versorgung der Gläubigen. Von dieser Situation hat sich die moderne Moschee weltweit meilenweit entfernt, sie tendiert immer mehr zu einem Ort der religiösen Politik, zu einem soziokulturellen Abgrenzen von der Mehrheitsgesellschaft.

Ein starker Einfluss der Politisierung in Europa erfuhr die Moschee durch die Zunahme des radikalen türkischen Islam. Durch Erdogan wurden Moscheen zu Orten der nationalistischen Identitätsbildung. Mit dem Bau einer neuen Moschee im Herzen Istanbuls setzte der neuen ideologische Merkmale und platzierte ein Denkmal seiner Regierungszeit in der Stadt. Die Moschee signalisiert den nationalistischen Machtanspruch und die Verkörperung des spirituellen religiösen Glaubens Dieser protzige Bau auf dem höchste Hügel Istanbuls polarisiert, steht er doch symbolhaft für eine weltweite Entwicklung. Der Trend der Machtsetzung durch kolossale und eindrückliche islamische Bauten vollzieht sich auch in Europa. Viele Moscheen in Europa dominieren ihre Stadteile, sie sind weit zu sehen und man muss sich fragen, ob die spirituelle Funktion hier nicht zur Nebensache wird.

Der Bau einer Moschee in Europa ist vielen Absichten und Zielen unterworfen und entspricht nicht immer den realen Bedürfnissen der Gläubigen. Es kommen auch Machtgefühle hinzu, die dazu führen, dass ein omnipräsenter und imposanter Bau entsteht, der nicht mehr in der Relation mit den realen Bedürfnissen und Anforderungen steht. Solche Entwicklungen sind Symptome einer politisierten Religion und zeugen von Dominanzverhalten. Von solchen Moscheen geht die Gefahr aus, dass radikale Gruppen ihren Machtbereich in Europa ausdehnen.

Generell gelingt es den radikalen Vereinigungen und Gruppen durch eine intensive Kontaktarbeit mit den Moscheen ihren Wirkungsradius ständig zu vergrößern. Radikale Trägervereine der Moscheen und islamischen Einrichtungen verhindern aktiv eine Europäisierung des Islams und reaktivieren latent vorhandene Denkfiguren des Islams. Diese aus den tradierten Quellen entwickelten Denkfiguren verführen zu Allmachts- und Herrschaftsfantasien, sie sind maßgeblich an der Provokation der Macht durch islamitische Tendenzen beteiligt. Solchen politischen Ansprüchen und Allmachtsfantasien werden durch die Besucher der Moscheen in die tendenziell säkulare Gesellschaft getragen und verändern den öffentlichen Raum. Immer mehr Schulen werden zu Austragungsorten von kulturellen Konflikten, der zu einem Kampf um die herrschende wahre Weltanschauung hochstilisiert wird.

Die moderne Moschee in Europa muss entpolitisiert werden, Predigten dürfen den spirituellen Rahmen nicht verlassen und müssen ihre Loyalität gegenüber ihrer europäischen Heimat haben. Das Wort des Imams wiegt oftmals schwerer als das Wort des Lehrers. Die fatale Macht der Moschee muss im Sinne des Allgemeinwohls deutlich reduziert werden.

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