Woran glaubt der Westen?

Bevor ich mich dem Glauben zuwende, bedarf der Begriff „Westen“ eine kurze Betrachtung. Dieser ist bereits problematisch und uneindeutig, die vielen heterogenen Strömungen, Lehren und Schulen im westlichen Kontext zu einer homogenen Einheit zusammenzufassen stellt eine scheinbar unmögliche Aufgabe dar. Ganz zu schweigen von den vielfältigen westlichen kulturellen Identitäten und Weltanschauungen. Und dennoch erlaube ich mir zusammenfassend vom Westen zu sprechen und damit eine weltanschauliche Abgrenzung zu verwenden.

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Warum Europa zur Integration von Muslimen eine Leitkultur braucht

In Anbetracht der vielen pluralistischen Weltanschauungen und Lebensvorstellen scheint die Frage, ob Europa eine starke Leitkultur braucht, obsolet zu werden. Wesentlich erscheint mir in diesem Zusammenhang die Frage nach der islamischen Weltanschauung aus einer europäischen Sichtweise zu erläutern. Historisch und traditionell teilen Muslime die Welt in ein „Dar al-Islam“ (Haus des Islams) und „Dar al-harb“ (Haus des Krieges). Wobei die nicht-islamischen Welt unterschiedlich verstanden wurde. So wurde statt von einem „Haus des Krieges“ auch von einem „Haus der Ungläubigen“ (Dar al-Kuffar) gesprochen.

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Maulana Abul a’la Maududi – Der strenge Islamist?

Der indische Gelehrte Maulana Abul a’la Maududi (1903 – 1979) gilt als ein strenger Islamist, der den Islam als ein revolutionäres Programm propagierte. Von ihm stammt vermutlich auch die ausformulierte Vorstellung, dass der Islam ein allumfassendes System sei, dass alle diesseitigen Lebensverhältnisse regelt. Sayid Qutb, der bedeutende Ideologe der Muslimbruderschaft, hat sich wahrscheinlich vieler seiner radikalen Ideen bedient.

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Strukturen fundamentalistischer Lehren

Gibt es ein wiederkehrendes Muster?

In der allgemeinen Debatte ist immer wieder von einem Fundamentalismus oder fundamentalistische Lehre die Rede. Was genau damit gemeint ist, bleibt generell sehr offen. Prinzipiell wird darunter eine strenge, meist wortwörtliche Auslegung verstanden. Besonders hinsichtlich der „islamischen Herausforderungen“ wird eine fundamentalistische Interpretation offensichtlich häufiger verwendet. Lassen sich aber allgemeine Merkmale formulieren, um mögliche fundamentalistische Merkmale frühzeitig identifizieren zu können?

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Muhammad Rashid Rida – ein moderner Reformer?

@ john peter /Pixabay https://bit.ly/3vM90gm

Der Gelehrte Muhammad Rashid Rida (1865-1935) wurde in einem Dorf bei Tripolis im Libanon geboren. Er studierte unter dem aufgeklärten und dem europäischen Gedankengut zugeneigten Religionslehrer Husain al-Jist in Tripolis. Somit kam er bereits früh mit liberalen Lehren in Kontakt. Rashid Rida gründete die Zeitschrift „al-Manar“, welche noch fünf Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurde und zu einem wichtigen Organ der Verbreitung von Reformismus und Modernismus im Islam wurde.[1] Bildung war für ihn sehr wichtig, er gründete die Schule „Dar ad-da wa wa-l-irshad“ (Haus der Mission und Leitung) in der bis zur Schließung vor dem Ersten Weltkrieg viele Muslime aus der ganzen Welt unterrichtet wurden.

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Entziehen sich Religionen einer philosophischen Kritik?

Und wie man doch erfolgreich Kritik formulieren kann.

Viele Gläubiger meinen, die religiöse Welt entziehen sich gänzlich einer philosophischen Kritik. Durch diese Abgeschlossenheit aber, immunisieren sich Religionen gegen sämtliche notwendige Kritik und verschließen sich Öffnungsprozesse. Eine so verstandene Religion droht den Anschluss an die Moderne zu verlieren, sie wird zu einem „Fremdkörper“ in einer offenen und liberalen Gesellschaft. Auch wenn viele Elemente religiöser Lebenswelten sich einer philosophischen Kritik erfolgreich entziehen können, bietet doch das Medium, nämlich die religiöse Sprache, viele Anknüpfungspunkte für eine kritische Auseinandersetzung.

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Die Schweiz verbietet Burkas

Ein weiterer Schritt gegen die Verhüllung der Frau im öffentlichen Raum zeichnet sich in der Schweiz ab. Mit einer knappen Mehrheit (51% stimmten für das Verbot) befürworten die Schweizer die Untersagung der Ganzkörperverhüllung in der Öffentlichkeit.

Lediglich in islamischen Gebetshäusern gilt diese Regelung nicht. Auch wenn die islamische Kleidung nicht explizit erwähnt wird, zielt die Initiative doch auf die religiöse Verhüllung ab. Damit schreitet die Schweiz ähnlich voran wie Österreich, wo die Ganzkörperverschleierung ebenfalls untersagt wurde.

Die Verhüllung der Frau ist keine traditionelle islamische Praxis, sondern stellt vor allem die Auswirkung des politisch-fundamentalistischen Islams dar. Solche ideologischen Vorstellungen müssen von den liberalen Gesellschaften weltweit bekämpft werden. Dann kann es gelingen, den Islam zu entschärfen.

https://www.krone.at/2359892

Das Abdullah-Zentrum verlässt Wien

Das in Wien beheimatete und umstrittene Abdullah-Zentrum wird seine Pforten schließen und die Bundestadt verlassen. Bereits vor der Gründung gab es Kritik und Unverständnis, wie ein fundamentalistisch- wahhabitische Zentrum den interkulturellen und interreligiösen Dialog fördern sollte. Unter der Regierung von SPÖ und ÖVP wurde das Zentrum im November 2012 feierlich eröffnet, bis es im Jahr 2019 erste konkrete politische Initiativen der Schließung gab.

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Sheikh Ahmad Ibn Taymiyyah (1263 – 1328) – Grundlage des modernen Extremismus

Beten, Islam, Gelehrte
@Mohamed Hassan /Pixabay

Er ist mit Sicherheit einer der am häufigsten in der Jihad-Literatur erwähnte politische Denker aus dem Mittelalter. Unter dem Druck der Eroberungen der islamischen Länder durch die Mongolen, entwickelte er eine Strategie, wie sich die Muslime gegen nominell islamische Herrscher zur Wehr setzen konnten. Sein Fatwa erlaubte es den Muslimen, ihre mongolischen Herrscher, die zwar den islamischen Glauben annahmen, aber weiterhin an vielen nicht-islamischen Traditionen festhielten, zu bekämpfen und zu töten. Damit konnte das generelle Tötungsverbot umgangen werden.

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Das Ende des orientalischen Christentums

Mann in der arabischen Wüste
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In der Gegend zwischen dem Euphrat und dem Tigris gab es in der vorislamischen Ära viele christliche Kirchen und Klöster. Die im byzantinischen Reich verfolgte nestorianische Form des Christentums hatte sich u.a. in Babylon, in Fars, an der Ostküste Arabiens und dem Oman verbreitet. Bis heute lassen sich Spuren auch in Teilen Afghanistan, dem Iran und sogar China nachweisen. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe auf der arabischen Halbinsel stellten die Juden dar, die auch in Syrien Gemeinden hatten. Diese religiösen ethnischen Gruppen gerieten immer mehr in das Fadenkreuz des sich ausbreitenden Islams und sind bis heute vielen Verfolgungen ausgesetzt.

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